Fortbildungsreise nach Portugal


Alle zwei Jahre organisiert der Bundesverband für klassisch-barocke Reiterei eine Fortbildungsreise. In diesem Jahr ging es nach Portugal!

Für mich eine großartige Möglichkeit, nicht nur um endlich in dieses wunderbare Pferdeland zu reisen und neue Ideen und Anregungen zu bekommen, sondern auch um alte Bekannte wiederzutreffen und neue Gleichgesinnte kennenzulernen.

Mit Hilfe meiner Trainerkollegin Agnes aus Köln begannen die Vorbereitungen. Flüge, Appartment und Mietwagen mussten gesucht und gebucht werden und die Vorfreude wuchs.

Das eigentliche Seminarprogramm sollte von Donnerstag bis Samstag stattfinden, Agnes, Corinna und ich flogen von Montag bis Montag, damit wir noch mehr Zeit zur Verfügung hatten.

Am 2.5. ging es dann endlich los!

Am Dienstag startete unser Programm. Wir fuhren zum großen portugiesischen Reitmeister Luis Valenca nach Villa Franca, ca 20km außerhalb von Lissabon. Wir hatten im Vorfeld für Dienstag und Mittwoch je eine Reitstunde und eine Einheit in Arbeit an der Hand gebucht. Außerordentlich herzlich und freundlich wurden wir von Sophia Valenca, einer der Töchter, empfangen. Sie zeigte uns den Hof und erzählte uns viele sehr persönliche Dinge über ihre Familie und ihre Pferde. Auch das kleine "Sultao- Museum" durften wir anschauen. Eine liebevolle Sammlung von Bildern und Geschichten rund um den wunderschönen Palominohengst Sultao, der das Leben der Familie Valenca stark prägte. Zu guter Letzt durften wir noch einen Blick in die Kostümkammer werfen und sorgten mit unserem begeisterten Aufschreien für Erheiterung.

Dann begann unsere 1.Reitstunde bei Sophia. Mein Unterrichtspartner war der Lusitanohengst Madonna, ein äußerst höflicher Hengst, sehr fein in der Hand und am Schenkel. Sophia gestaltete den Unterricht sehr freundlich und gut strukturiert. Auch die Verständigung auf Englisch klappte erstaunlich gut.

In der Mittagspause aßen wir in einem benachbarten Imbiss, wo es eindeutig den leckersten portugiesischen Nachtisch gab! Außerdem fielen wir gleich zwei Türen weiter, in ein Reitsportgeschäft ein, bewunderten die qualitätsvollen Lederarbeiten und kauften auch das ein oder andere.

Nachmittags bekamen wir die großartige Chance Luis Valenca persönlich kennenzulernen. Was für ein großartiger und herzlicher Pferdemann, was für eine Ruhe und was für ein Fachwissen. Kurzerhand bekamen wir eine ganz persönliche Einweisung, wie die jungen Pferde bei den Valencas ausgebildet werden. Bereiterin Luise zeigte uns mit einem wunderschönen 6 jährigen Lusitanohengst die Longenarbeit und die Arbeit an der Hand und Luis Valenca erklärte uns alles detailiert. Kleine, aber feine Unterschiede wurden deutlich, aber überzeugten absolut.

Glücklich und voller neuer Eindrücke ließen wir diesen wunderbaren Tag am Strand von Guincho ausklingen und nutzen das "noch" sommerliche Wetter.

Am Mittwoch hatten wir unsere zweite Reiteinheit bei Sophia. Die Pferde waren diesmal sehr bewusst und passend für uns ausgewählt. Ich ritt Uzifur, der eine sehr feine Hand brauchte und mir ganz deutlich zeigte, wann mein rechter Schenkel im Galopp zu weit hinten lag, dann wechselte er sofort "ungewollt" in Fliegenden Wechseln.

Nachmittags bekamen Agnes und ich einen 4 und 5 jährigen Hengst und sollten, wie am Vortag bei Luis Valenca gelernt, die Longenarbeit und Arbeit an der Hand machen. Die jungen Hengste benahmen sich wirklich vorbildlich und wir hatten großen Spaß. Herr Valenca war immer direkt an uns dran, korrigierte, erklärte, übernahm auch mal, immer in seiner ruhigen und charmanten Art. Für mich war diese Einheit ein absolutes Highlight der gesamten Portugalreise.

Abends holten wir Annika, eine weitere Trainerkollegin und Karo, eine Freundin von Corinna vom Flughafen ab. Unsere Portugal WG war jetzt komplett.

Am Donnerstag startete dann das eigentliche Seminarprogramm vom Bundesverband aus. War das Wetter am Dienstag und Mittwoch noch freundlich und sonnig, setzte ab Donnerstag der große Regen ein- schade! Wir trafen uns mit den anderen gut 40 Seminarteilnehmern am Kutschenmuseum in Belem und von da aus ging es in eines der ältesten und bekanntesten Cafes von Lissabon, wo zu Kaffee und typisch portugiesischen Natas der Programmablauf besprochen wurde

Dann ging es in die portugiesische Hofreitschule. Der Leiter Joao Pedro Rodrigues empfing uns, zeigte uns die Ställe und dann konnten wir ganz in Ruhe die Morgenarbeit genießen. Wir sahen wunderbar harmonisches und ruhiges Reiten auf höchstem Niveau und die Bereiter in perfekter Manier. Die Alter Real Hengste, einer schöner als der andere, wirkten sehr entspannt und zufrieden.

Am Nachmittag trafen wir uns mit Joao bei einem Rastplatz und es ging im Autokonvoi ab aufs Land. Dort besuchten wir unterschiedliche Ställe und und Koppeln und Joao zeigte uns seine Jungpferde, Stuten mit Fohlen und zu guter Letzt noch seine Hengste.

Abends fand noch ein gemeinsames Abendessen mit einigen Bereitern der Hofreitschule statt. Wir nutzten die Chance und stellten den Bereitern Fragen die wir auf dem Herzen hatten. Wir waren begeistert von der Tiefgründigkeit und dieser tiefverwurzelten Pferdeliebe, die dort zu Tage kam.

Am Freitag verbrachten wir unseren zweiten Tag in der Hofreitschule. Das extra für uns gestaltete Seminarprogramm begann mit einer theoretischen Einführung über die Geschichte der Lusitanos und der Hofreitschule. Dann begann die Demonstration mit den Pferden. Diesmal saßen wir nicht auf der Tribühne, sondern direkt am Rande des Dressurvierecks. So konnte man Pferde und Reiter noch besser beobachten. Hier wurde uns der Weg von der Longenarbeit über die Arbeit an der Hand bis hin zu den Schulsprüngen gezeigt. Auffallend war wieder diese unglaubliche Ruhe und der feine und freundliche Umgang mit den Pferden.

Anschließend ging es ins Kutschenmuseum. Wir bewunderten die ehemalige Reithalle, in der jetzt das alte Kutschenmuseum untergebracht ist, mit ihren wunderschönen Decken- und Wandmalereien. Anschließend ging es einmal über die Straße in das moderne, neu gebaute Kutschenmuseum und bestauten die riesige Sammlung prachtvoller Kutschen und Zubehör.

Am Samstag, unserem letzten Seminartag, führte uns der Weg zu alten Bekannten- zu Luis Valenca. Leider präsentierte sich das Wetter an diesem Tag mit 9 Grad und monsunartigem Regen wirktlich ungemütlich. Dafür war die Begrüßung bei den Valencas um so wärmer und herzlicher. Auch die anderen Seminarteilnehmer bekamen das liebevoll gestaltete Sultao Museum und die Kostümkammer zu sehen. Danach begann das Programm mit den Pferden. Luis Valenca erklärte kurz und sachlich den Ausbildungsweg der Pferde von der Longenarbeit, der Arbeit an der Hand, der Arbeit unter dem Sattel bis hin zu den Schulsprüngen. Gespickt wurden seine Erläuterungen wieder von einigen lustigen Anekdoten. Die Pferde präsentierten sich kraftvoll und voller Lebensfreude. Ein wirklich schöner Anblick! Nach einem köstlichen Imbiss verabschiedeten wir uns von dieser freundlichen Pferdefamilie.

Weiter ging es zu Antonio Brito Paes, ein junger, sehr erfolgreicher Stierkämpfer. Seine Familie pflegt diese alte portugiesische Tradition in 4. Generation, züchtet selbst Pferde und Stiere. Auch hier wurden wir überaus freundlich empfangen und wir waren beeidruckt was für ein Aufwand für uns betrieben wurde. Extra für uns wurde ein Pferd mit dem typischen Paradeschmuck hergerichtet, den es beim Stierkampf in der 1.Runde trägt. Dann zeigte uns Antonio in der Reithalle unterschiedliche Pferde und es wurde detailiert der Weg bis zum Stierkampfpferd erklärt und geduldig wurden all unsere Fragen beantwortet. Anschließend führte uns Antonio durch seine Ställe und zeigte uns seine wunderschönen Hengste. Was für traumhafte und hochedle Pferde. Auch hier durften wir immer wieder Fragen stellen. Sicherlich war manch einer von uns mit etwas mulmigen Gefühl zu Antonio gefahren und konnte seine negativen Gefühle zum Thema Stierkampf nicht ganz ausblenden, um so erfreulicher fand ich, wie respektvoll die Gäste sich Antonio gegenüber verhielten. Zum Abschluss ließ es sich Antonio nicht nehmen, in seiner eigenen, kleinen Stierkampfarena noch eine Darbietung mit echtem Stier zu zeigen. Der Stier, mit seinen 15 Jahren schon ein älteres Semester wird genutzt um junge Pferde an den Stier zu gewöhnen bzw seine Reaktion zu testen. Dieser Stier steht einfach nur in der Mitte und bewegt sich nicht. An diesem Tag mochte er sich sowieso gar nicht bewegen, denn den ströhmenden Regen fand er eindeutig doof. Antonio ritt lässig in Einerwechseln um den Stier herum- was für eine Show!

Abends fand dann das Abschlußessen in Lissabon in einem kleinen Restaurant zu typisch portugiesischer Faromusik statt. Eine schöne Möglichkeit um noch mal all die Eindrücke Revue passieren zu lassen.

Unsere kleinen WG blieb noch der Sonntag. Endlich zeigte sich das Wetter wieder etwas freundlicher und wir nutzten es noch einmal ausgiebig um uns Lissabon anzuschauen. Was für eine tolle Stadt! Am Montag ging es dann zurück nach Hause! Im Gepäck ganz viele Eindrücke, Ideen und Impulse, die erstmal verarbeitet werden müssen! Fazit: I´m in love with portugal!

Auf diesem Wege vielen Dank an den Bundesverband für die Ermöglichung dieser tollen Fortbildungsreise! Ein ganz besonders Dankeschön auch an Anne Woehlert und Joao für die tolle Organisation und Übersetzung! Ohne euch wäre das echt schwierig geworden!

Von Herzen Danke an unser persönliches Organisations-, Fahr- und Sprachtalent Agnes! Was hätten wir nur ohne Dich gemacht!

Und zu guter Letzt Danke an meine Mädels aus unserer WG für die schöne Zeit!

Fotos mit freundlicher Erlaubnis von Agnes Trosse, Corinna Scholz und ein paar auch von mir!

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Andrea Blochwitz - mobile Reitlehrerin in Kiel und Umgebung - liz. Trainerin B für klassisch/barocke Reiterei

Tel.: +49 173 59 06 134

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